Русская Зима

Привет Мои Милые,

So jetzt gibts es mal wieder ein Update was so im fernen Russland passiert. Zunächst einmal ist es hier richtig warm geworden in den letzten zwei Wochen. Das warme Wetter (zwischen Minus und Plus 4 Grad) muss man direkt nutzen, um so viel Zeit wie möglich draußen zu verbringen. 😊 Darum fange ich direkt erst einmal an von meiner Freizeit zu erzählen. Letzte Woche waren eine Freundin und ich nach der Arbeit bei einem Hockeyspiel, bei denen…jetzt kommts …“Dynamo“ spielte :D. Tatsächlich hieß die Mannschaft aus St. Petersburg so und bei mir kamen direkt Heimatgefühle auf, haha. Der Schlachtruf der Fans war für mich ja alltäglich in Dresden in der Straßenbahn zu vernehmen. Doch als Dynamo dann am Ende 3:2 beim Elfmeterschießen gewann, wusste ich, dass es sich nicht um unser Dynamo handeln konnte, haha nur Scherz am Rande. Ich möchte hier natürlich keine Fans verärgern 😉. Es war sehr spannend, auch wenn wir wirklich keine Ahnung von den Regeln haben und uns diese daher versucht haben so gut es geht zusammen zu reimen.

An meinem methodischen Tag letzte Woche war ich bei einem Treffen meiner und anderer Organisationen im deutschen Konsulat. Dort besprachen wir verschiedene Ideen für ein gemeinsames Projekt im April. Anfang April findet in St. Petersburg die „Deutsche Woche“ statt. In dieser Zeit gibt es unzählige Veranstaltungen an den verschiedensten Plätzen, die sich um Deutschland drehen. Ich hätte nie gedacht, dass diese Woche so ein wichtiges Event wäre, aber zu einer der Konferenzen soll sogar Putin selbst anwesend sein…haha, natürlich nicht bei unserer 😉. Die sozialen, nichtstaatlichen Organisationen haben darum gebeten, während dieser Woche auch eine Möglichkeit zu bekommen sich zu präsentieren und da diese auch zahlreiche Freiwillige aus Deutschland aufnehmen, machen sie dieses Jahr erstmalig ein gemeinsames Projekt. Daran werden Organisationen wie wir, Perspektivy; Caritas; ein Verein, der Ghettoüberlebende betreut und verschiedene andere Organisationen teilnehmen. Jeder wird Plakate gestalten und anschließend findet eine Podiumsdiskussion statt mit ca. 60 bis 70 geladenen Gästen aus Russland, sowie aus Deutschland. Das Ganze wird am 9. April stattfinden und ich bin bereits sehr gespannt darauf und freue mich teilnehmen zu dürfen. Natürlich ist es eher eine Möglichkeit für die Organisationen sich selbst zu präsentieren, als tatsächliche Probleme und Missstände anzusprechen, da auch verschiedene russische Behörden anwesend sein werden und „niemand dort mit dem Rücken gegen die Wand gedrängt werden soll“, wie es der Organisator des Events uns erklärte. Sehr diplomatische Ansicht. Nichtsdestotrotz war es eine sehr wertvolle Erfahrung und eine erstmalige Chance für die nichtstaatlichen Organisationen auf sich aufmerksam zu machen. Nach dem Treffen entschied ich mich etwas in der Stadt zu spazieren. Ich hatte mir schon länger die Moschee in St. Petersburg ausgeschaut, da sie unglaublich prachtvoll von außen aussieht und ich sie mir gern auch einmal von innen ansehen wollte. Ihre Fassade ist wirklich atemberaubend, jedoch ist sie von innen sehr einfach gehalten. Anschließend spazierte ich von dort aus zur berühmten Peter-Pauls-Festung, welche eins der ersten Gebäude im jungen St. Petersburg war, als Peter der Große es förmlich aus dem Boden stampfen lies. Ich sah wie Männer auf dem zugefrorenen Fluss saßen und geduldig vor ihren Eislöchern auf den großen Fang warteten. Dann erblickte ich hunderte Menschen, die seelenruhig über den Fluss spazierten. Um euch einen Vergleich zu geben, die Neva ist mindestens dreimal so breit wie die Elbe und derzeit komplett zugefroren. Ich war überwältigt! Dieser Anblick war bezaubernd und zum ersten Mal in meinem Leben schlenderte ich gemütlich über einen Fluss.

Auf meinem Weg erblickte ich die bekannte „Landzunge“ der Vasilyevsky-Insel namens Strelka, die beiderseits von zwei großen, roten Säulen geziert wird, auf denen an besonderen Tagen Fackeln brennen. Von dort aus hat man einen traumhaften Ausblick auf die Ermitage, den Fluss und die Festung. Auch wenn die Kälte und Dunkelheit vielleicht manchmal schwer erträglich sind, so verzaubert mich der russische Winter dennoch jedes Mal.  Ich hatte noch nie das Gefühl, dass eine Stadt in jeder Jahreszeit in so einem anderen Licht erstrahlt. Der Kontrast zwischen dem St. Petersburg im Winter und im Sommer ist einfach unglaublich. Und keine Jahreszeit ist minder schöner als die andere in dieser Stadt.

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Am Freitag haben wir dann Norbert, einen unserer Freiwilligen, in kleiner Runde verabschiedet. Eigentlich hatte er seinen Dienst bereits vor 6 Jahren gemacht, doch weil seine Schützlinge dieses Jahr auf einmal ohne einen Freiwilligen klarkommen mussten, flog er spontan hierher und kümmerte sich für drei Monate um sie, da er wusste, dass sie ohne Führsorge sterben würden. Tatsächlich hat er einige der schwächsten Schützlinge, die einfach unbedingt Hilfe brauchen. Allerdings benötigen sie auf jeden Fall einen männlichen Freiwilligen, da sie teils ihren Körper absolut nicht selbst bewegen können und man sie stehts heben muss. Leider gibt es dieses Jahr in unserem Team nur einen Mann, der aber auf einer anderen Station arbeitet. Jetzt ist spontan noch ein anderer hinzugekommen, der Gott sei Dank, dass Zimmer von Norbert übernehmen wird. Norbert ist bereits über 60 und verdient wirklich unserer aller Bewunderung, denn es war einfach unglaublich mit was für einer Energie und Hingabe er seine Arbeit machte und davon können wir alle noch sehr viel lernen! Es war ein schöner letzter gemeinsamer Abend, mit russischem Champagner, Pralinen und Knabbereien. Wir redeten über Politik, über das Sozialsystem in Russland, über unsere Arbeit und vieles mehr.

Am Samstag habe ich dann den ganzen Tag einfach nur gechillt und am Abend waren einige Freiwillige und ich noch in einer Bar und haben Karten gezockt.

Sonntag ging es dann mit einigen Mädels nach Puschkin. Dort steht der berühmte Ekaterinen Palast, der wirklich super schön ist und ein bisschen aussieht wie eine zweite Ermitage in blau 😉. Dieses Schloss steht inmitten eines wunderschönen Parks, den wir uns gern noch mehr angeschaut hätten, doch es schneite die ganze Zeit über und es lag so viel Schnee, dass es eine wahre Herausforderung war einigermaßen normal zu laufen. Das Schloss selbst war seinen Eintrittspreis definitiv wert. Von den goldverzierten Wänden hätte ich mir am liebsten auch ein wenig abgekratzt, haha. Der Prunk nahm überhaupt kein Ende! Leider haben wir uns gegen eine der kostenlosen Touren bzw. einen Audioguide entschieden, was ich auf jeden Fall empfehle, wenn man mehr über die Geschichte erfahren möchte. Ich habe mir darum fest vorgenommen im Sommer noch einmal hierherzukommen und sei es um ein Picknick in dem gigantischen Park zu machen.

Diese Woche war ich quasi jeden Abend in einem Sprachcafe, am Montag in einem, welches von meiner Organisation initiiert wurde und gestern in einem, das in einem Hostel stattfindet. Beide waren sehr cool und es macht einfach Spaß sein Russisch zu verbessern und mit Leuten aus Russland in Kontakt zu kommen.

Heute hatte ich wieder meinen methodischen Tag und habe die Gelegenheit gleich mal genutzt, um so richtig schön zu kochen. Ich hätte ja nie gedacht, dass ich meine Liebe zum Kochen hier noch entdecke. Jetzt wird aller paar Tage etwas Leckeres auf den Tisch gezaubert. Es wird auch immer besser, haha, außer, dass ich Mengen nach wie vor absolut nicht einschätzen kann und immer für eine ganze Armee koche :D. Anschließend war ich noch im „Mramorni Dworjez“ (Das Marmorschloss), in dem derzeit eine Fotobienale stattfindet, die sich um moderne Fotografie dreht. Ganz im Gegensatz zur deutschen Pünktlichkeit, lief ich natürlich viel zu spät los und bin dann quasi bis zum Museum gerannt, um dort in einer Stunde einen Blitzbesuch hinzulegen. Dennoch war die Ausstellung sehr schön und ich hatte meine Ruhe, da ich die letzte Besucherin im gesamten Haus war 😉.

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Nun, sei aber noch etwas gesagt zu meinen Erfahrungen auf der Arbeit in den letzten zwei Wochen. 😉 Letzten Montag hatte ich einen ziemlich taffen Tag auf Arbeit. Ich ging mit einem meiner Schützlinge namens Murat in unser Spielzimmer. Auch wenn er bereits 20 ist, hat er die Reife eines 3-Jährigen und am meisten hat er Spaß, wenn er merkt, dass er uns Probleme macht. Ich mag ihn echt, doch manchmal ist es sehr schwer etwas mit ihm zu unternehmen. Er hat unglaublich viel Energie und egal wieviel er sich bewegt er wird einfach nicht müde. Wir spielten also die ganze Zeit mit Bällen, er hängte sich in eine Schaukel und versuchte auf mich zu klettern. Am Ende unserer 2-stündigen Session schwitze ich, als hätte ich gerade extrem Sport gemacht. Doch nun stand uns noch der Weg bis auf die Station bevor. Im Prinzip bestand dieser nur daraus, dass ich ihn halb trug, halb auf dem Boden hinter mir herzog. Die Krankenschwestern schauten schon komisch, aber was kann ich machen, wenn er die Wände hochklettert, sich auf den Boden legt und nicht weiterläuft. Unsere Pädagogin ist für ihn mehr eine Autoritätsperson, doch mit uns Freiwilligen macht er quasi was er möchte. Kleiner Schelm (haha, oh Gott, was für ein altes Wort) ;D. Ansonsten bin ich diese Woche seit langer Zeit mal wieder spazieren gegangen mit meinen Schützlingen, die im Rollstuhl sitzen. Tatsächlich ist es leider so, dass diese in den langen Wintermonaten so gut wie nie rauskommen. Teils ist es einfach zu kalt und die Anziehsachen, die es gibt sind nicht ausreichend warm, denn man muss ihnen normalerweise auch mehr anziehen als man selber tragen würde, da sie sich ja nicht großartig selbstständig bewegen können. Und oft sind die Wege einfach nicht genug geräumt, sodass man sich mit dem Rollstuhl keinen Meter vom Fleck bewegen kann. Ich war gestern also zweimal mit einem Rollstuhlfahrer unterwegs und für mich war es ein richtiges Workout. Wir sind so oft stecken geblieben und um auf die andere Seite des Geländes zu kommen, muss man auch noch einen Hügel rauf und runter auf dem sich Glatteis befindet. Es ist sehr lustig und ein purer Balanceakt nicht den Halt zu verlieren. Aber es hat sich gelohnt. Meine Schützlinge strahlten vor Glück, warfen mit Schneebällen um sich und spielten ausgelassen. Einer von ihnen umarmte mich während unseres Spaziergangs sogar dankbar und wollte mich gar nicht mehr loslassen. Auch wenn die Motivation natürlich nicht jeden Tag die gleiche ist, so wird man doch stets mit Gesten der Dankbarkeit und mit zahlreichen strahlenden Lächeln bezahlt. Manchmal steht man auch vor der Herausforderung, sich überlegen zu müssen, was man noch mit seinen Bewohnern machen könnte. Es gibt nur ein Spielzimmer und jeder Tag der Woche ist einem Pädagogen zugeteilt, dass bedeutet, wenn gerade nicht unserer Tage können wir diesen Raum nicht benutzen. Dann bleibt noch die Möglichkeit spazieren zu gehen (im Winter eher seltener möglich, da viele Bewohner krank sind und es ihnen nicht erlaubt wird raus zu gehen bzw. es schlichtweg zu kalt ist), eine Veranstaltung im Großen Saal oder in die Kirche zu gehen. Auf der Station selbst etwas zu machen ist auch möglich, aber dort ist es stets laut und viele können sich nicht auf die Aktivitäten konzentrieren, da ständig jemand reinkommt und stört. Daher ist von uns stets Kreativität gefordert, uns zu überlegen, was wir mit unseren Schützlingen machen. Das ist auch was mich an der Arbeit so fasziniert und warum ich sie liebe: jeder Tag ist anders und keiner ist wie der Tag bevor. Immer überraschen uns unsere Schützlinge mit neuen Sachen und machen jeden Tag zu einem einzigartigen Erlebnis. 😊

So mal wieder viel zu viel erzählt, haha. Respekt, wenn ihr es bis hierher geschafft habt ;*** Ich hoffe es geht euch allen blendend und euch haben die Wintermonate noch nicht zu sehr erschöpft…bald kommt ja schon der Frühling!

 

Ich umarme euch alle fest :***

Eure Luise

 

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Холодные дни ;)

Дорогие Носки Дома,

jetzt lasse ich mal wieder etwas von mir hören. 😉 Ich habe mich wieder komplett erholt und in der Zwischenzeit natürlich auch einige Dinge erlebt. Zunächst werde ich erstmal von der Arbeit erzählen. Und die guten Neuigkeiten sind, dass ich euch nun zum ersten Mal auch einige Bilder von meinen Schützlingen zeigen kann.

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In den letzten zwei Wochen habe ich viele schöne Dinge mit meinen Bewohnern gemacht. Wir waren gemeinsam ab und zu spazieren, was wirklich beeindruckend ist, wenn man bedenkt, dass es derzeit in St. Petersburg durchschnittlich -18/19 Grad jeden Tag sind und man sich daher wirklich zweimal überlegt ob man rausgeht.

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Leider ist es daher fast unmöglich mit den Leuten, die im Rollstuhl sitzen spazieren zu gehen, da die Wege kaum geräumt sind und oft die nötige warme Kleidung fehlt. Viele der Jacken im Heim sind kaputt oder schlicht weg nicht wintergerecht und es ist eine ewige Prozedur etwas Passendes zu finden und dies auch noch anzuziehen. Daher müssen wir uns jeden Tag überlegen was wir mit unseren Leuten machen werden an Aktivitäten. Es gibt nur ein richtiges Spielzimmer und jeder Pädagoge hat daher einen Tag in der Woche zugeteilt bekommen. Unser Tag ist praktisch nur Freitag und manchmal noch Donnerstag und Mittwoch, da dann die Tage der Freiwilligen sind, doch sind dann dort dementsprechend viele Menschen. Mit einigen Bewohnern funktioniert es, wenn auch viele Leute in dem Raum sind, aber mit vielen kann man nur effektiv etwas machen, wenn man alleine ist und sich ganz ihnen widmen kann und es leise ist. Da das nicht oft vorkommt verbringen wir Freitag so viel Zeit wie möglich dort. Letzten Freitag war ich daher mit einem meiner Schützlinge, der im Rollstuhl sitzt. Normalerweise möchte er immer das Gleiche dort machen. Es gibt eine Art Hängeschaukel und er setzt sich auf einen Sitzsack und füllt diese Schaukel mit unzähligen Spielzeugen, nur um sie anschließend wieder herauszuschütteln. Darüber freut er sich dann tierisch und lacht ununterbrochen. Dieses Mal jedoch griff er zielstrebig nach einer Maltafel und beschäftigte sich sehr lange damit. Anschließend kroch er rüber zu der Dartscheibe und wollte anfangen mit mir zu spielen. Ich war so überrascht, weil ich keine Ahnung hatte, dass er dazu im Stande war, geschweige denn Interesse an so einem Spiel hat. Wir haben an dem Tag viele neue Aktivitäten ausprobiert und in diesen Momenten geht mir immer das Herz auf und mir wird klar, wie viel ich noch nicht über meine Schützlinge weiß. Beim nächsten Mal habe ich durch Zufall mein Handy mitgehabt und wir haben uns gemeinsam Fotos angeschaut. Er war so fasziniert von den Fotos und obwohl er wirklich nie spricht, gab er einige begeisterte Laute von sich, als er sich auf dem Bildschirm sah. In dieser Woche haben wir in unserem Freiwilligenzimmer Knete entdeckt und das ist es jetzt auch der Hit unter unseren Bewohnern. Wir kneten mit ihnen, basteln verrückte Figuren und backen „Knetpizza“. Am Donnerstag durfte ich und ein Mitfreiwilliger mit einigen Bewohnern auf eine Exkursion fahren. Um 10.30 Uhr sollten uns zwei Taxis abholen, doch was passiert war, dass nur ein Taxi da war. Auf unsere Anfrage im Heim, wo das zweite Taxi wäre, wurde uns geantwortet, dass ein Taxi billiger sei, als zwei Taxis und sie daher nur eins bestellt hatten :D. Ich konnte nicht fassen, was das für eine Logik sein sollte, die Aussage ist ja an sich richtig, doch das bedeutete, dass für eine Person kein Platz mehr im Auto war. Um keine weitere Verzögerung zu verursachen, hockte ich mich also auf den Boden zwischen Fahrer und Beifahrer. Oh mein Gott, als wir ankamen fühlte ich meine Beine nicht mehr und fiel fast aus dem Auto, haha. Unsere Exkursion fand auf einem Hügel statt, von dem aus man auf Reifen den Berg runterrodeln konnte. Es lag so viel Schnee, dass wir uns zunächst eine Bahn frei machen mussten. Dann ging die Party ab. Ohne jede Hemmung oder Angst rasten unsere Schützlinge den Berg runter und kamen mit einem breiten Lächeln wieder den Berg hinausgestapft, wobei sie schon von weit weg schrien „Noch Mal, Noch Mal!“. Es war sooooo kalt und ich dachte wirklich meine Zehen würden es nicht überleben, aber unsere Bewohner schienen das gar nicht wahrzunehmen, denn trotz, dass sie von oben bis unten mit Schnee bedeckt waren, wollten sie immer noch einmal. Trotzdem haben wir unser Taxi dann eine halbe Stunde eher bestellt, um nicht komplett zu erfrieren. Gott sei Dank diesmal sogar zwei Taxis :P. Es war ein toller Ausflug und ich wünschte es würde für alle Bewohner möglich sein, so etwas zu erleben.

Jetzt kommen wir zu meiner Freizeit und was ich in dieser so angestellt habe. Am Freitag vergangener Woche sind wir mit meiner Organisation Schlittschuhlaufen gegangen. Ich liebe, wie viele Möglichkeiten es in St. Petersburg dafür gibt. In jedem Park in der Stadt kann man Schlittschuhlaufen und teils sogar auf zugefrorenen Flüssen und Seen. Die Eisflächen sind riesig und man kann richtig große Runden drehen. Außerdem stehen hier natürlich alle schon seit Kindertagen auf den Kufen und einer fährt besser als der andere.

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Samstag sind Tatjana, ich und Norbert dann Julia besuchen gefahren. Zur Erinnerung, Julia ist die Frau, die es als erste geschafft hat aus diesem staatlichen Heim rauszukommen und jetzt in einer eigenen Wohnung zu leben. Wir verbrachten einen wunderschönen Nachmittag, buken gemeinsam Pizza, tranken Tee und redeten. Selbstverständlich reden wir viel über das Heim und unsere Arbeit, denn sie möchte stets alles wissen, was ich absolut verständlich finde, denn für mehr als 20 Jahre war das ihr zu Hause und die Bewohner praktisch wie ihre Familie. Wir redeten auch über sehr viele schreckliche Dinge, die teils in dem Heim passiert sind und noch immer passieren. Die Geschichten haben mich zutiefst berührt und wenn ich so etwas höre wird mir immer wieder klar, was unsere Schützlinge für Helden sind, was sie alles über sich ergehen lassen mussten und müssen während ihres Lebens unter den Rädern der staatlichen Institutionen. Ich bin mir bewusst, dass es in Deutschland vor 60 Jahren auch keineswegs anders aussah, doch kenne ich auch unsere jetzigen Standards und es tut mir weh zu sehen, wie weit sie in Russland diesbezüglich noch hinterherhinken. Manche Sachen sind auch einfach so irrational und mir fehlt jegliches Verständnis, warum sie dennoch einfach weiter praktiziert werden. Nichtsdestotrotz, war es gut darüber etwas zu erfahren und wir hatten dennoch sehr viel Spaß gemeinsam. Wir spielten mit ihren zwei kleinen Hunden und unterhielten uns beispielsweise mit ihrem Papagei und versuchten ihm beizubringen nicht nur „Hallo, Julia“ zu sagen, sondern auch „Hallo, Luise“ und „Hallo, Norbert“. Aber dafür war er einfach nicht schlau genug 😉, haha.

Abends fuhren wir zu dritt dann noch in die Stadt und trafen uns mit anderen Freiwilligen in einer Bar. Wir machten eine „Bar Hopping Nacht“ und lernten das St. Petersburger Nachtleben etwas besser kennen. Allerdings war es lebensmüde in der Innenstadt von St. Petersburg zu Fuß zu laufen. Ich habe so etwas noch nie in meinem Leben erlebt. Die Straßen waren glätter als die Eislauffläche und selbst die besten Winterschuhe änderten daran nichts. Wir hielten uns beim Laufen alle aneinander fest und dennoch legte sich aller drei Meter einer von uns aufs Eis. Tatjana erwischte es leider dermaßen, dass sie sich schwer verletzte und ich mit ihr dann nachts mit dem Taxi nach Hause gefahren bin.

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Die Blutauferstehungskirche bei Nacht zu sehen und im Winter ist einfach wunderschön ❤
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Wunderschöner Sonnenaufgang auf dem Arbeitsweg 🙂

 

Am Sonntag war dann unser ganztägiger Chilltag, bevor es montags wieder auf die Arbeit ging. Dienstagabend gingen zwei Freundinnen und ich in ein Sprachcafe, um uns dort mit anderen Leuten auf Russisch zu unterhalten. Wir saßen dort mit einigen Asiaten zusammen, doch obwohl wir wirklich versuchten uns mit ihnen zu unterhalten, war es sehr schwer bis gänzlich unmöglich sie zu verstehen. Ihre Akzente waren dermaßen stark und ich hätte ja nie gedacht, dass sie wirklich „L“ statt „R“ sagen. Ich habe mich fast totgelacht. Der eine hat uns die ganze Zeit etwas erzählt und ich war einfach super verwirrt, weil mir viele Wörter völlig fremd waren, bis ich gemerkt habe, dass ich sie kenne, aber er immer „L“ statt „R“ sagt :D. Russisch ist dementsprechend natürlich die schlechteste Sprache, die man lernen sollte, da es soooooo viele „Rs“ in jedem Wort gibt. Mittwochs hatte ich meinen methodischen Tag (freien Tag). Ich bin in ein Museum gegangen, was mich wirklich fasziniert hat. Es ist eine Ausstellung von zwei Künstlern aus der Renaissance und aus ihren Werken wurde eine Art animierter Film gemacht. Man sitzt in einer riesigen Halle, in deren Mitte viele Sitzsäcke liegen. Um einen herum befindet sich eine 360 Grad Leinwand auf welcher der Film läuft. Die Künstler Bosch und Bruegel, zwei Niederländer, malen sehr außergewöhnliche Werke, besonders für ihre Zeit, meiner Meinung nach sehr modern und manchmal auch surrealistisch. Die Vorstellung wurde mit Musik und gesprochenem Text begleitet und ist wirklich sehenswert.

Danach bin ich zu unserer wöchentlichen Yogaklasse gegangen, die fast ganze drei Stunden ging, da wir lange meditierten und unser Yogalehrer anschließend noch die Gitarre herausholte und anfing auf dieser zu spielen und zu singen.

Freitags nach der Arbeit gingen wir dann noch Feiern. Doch nicht so wie wir das sonst machen würden. Nein, Norbert hatte einen seiner Schützlinge dabei, welcher es liebt in den Klub zu gehen. Er sitzt im Rollstuhl und kann quasi seinen gesamten Körper, außer seinen Kopf nicht bewegen, und dennoch genießt er es einfach im Klub zu sein und sich dort von der Atmosphäre berauschen zu lassen. In den ersten Klub, in den wir eigentlich gehen wollten, ließen sie uns nicht rein. Ich weiß nicht aus welchem Grund genau, aber bevor wir kamen hatte Norbert bereits mit ihnen geredet und sie waren so etwas von unfreundlich zu ihnen. In Russland ist es eine Seltenheit, dass man Menschen im Rollstuhl oder generell mit Behinderungen in der Öffentlichkeit sieht und genauso wird man dementsprechend angeschaut und behandelt. In den zweiten Klub sind wir dann Gott sei Dank reingekommen und dort waren sie auch wesentlich freundlicher und gaben uns gleich einen großen Tisch neben der Bar. Aber auch hier unterband es der Manager gleich, als einer der tanzenden Männer den Rollstuhl mit Kostja nahm und mit ihm etwas umherfuhr und tanzte. Ich denke, dass das sehr schade war, denn eigentlich haben viele der Anwesenden gut auf uns reagiert und es schien niemanden zu stören. Haha, man muss auch sagen, wir waren eine lustige Gruppe: Kostja im Rollstuhl, Norbert, der auch bereits etwas älter ist (oder wie meine Elterlis jetzt sagen würden „genau im besten Alter“ 😉) und wir 5 Mädels. Wir tanzten bestimmt 3 Stunden und die anderen sind dann gegen 2 Uhr nach Hause gegangen. Ich bin noch weitere zwei Stunden mit den zweien im Klub geblieben. Immer wenn ich mich neben Kostja setzte und auch für eine Weile die Menschen dort beobachte, musste ich echt lachen, denn eigentlich ist es das beste einfach das Verhalten der Feiernden zu beobachten. Von reichen Russen, die ihren 20 Jahre jüngeren Partnerinnen Champagner an der Bar bestellen, bis hin zu abstrus Tanzenden gab es alles. Insgesamt war es echt ein wunderschöner Abend!

 

So und jetzt aber genug erzählt, haha, ich möchte wieder schlafen 😀 und ihr seid bestimmt erschöpft vom Lesen.

Ich umarme euch fest und hoffe ihr habt eine wunderschöne Zeit in der Heimat. ❤

Eure Luise ❤

С НОВЫМ ГОДОМ!!!

Дорогие мои,

Frooohes neues Jahr an alle meine Lieben! ❤

Ich hoffe ihr seid alle super gut reingerutscht und hattet eine wunderschöne Weihnachtszeit mit eurer Familie und euren Freunden.

Ich bin jetzt auch schon wieder seit einer Woche in Russland und fleißig am arbeiten bzw. gerade am krank sein. Leider liege ich seit Samstag ziemlich flach und versuche mich gerade schnell wieder zu erholen. Ich kam am vergangenen Dienstag gegen 15 Uhr in St. Petersburg an, wusch zunächst fleißig meine Wäsche, da in Deutschland die Waschmaschine meiner Eltern leider den Geist aufgegeben hat. Normalerweise freut man sich ja besonders, wenn man aus dem Heimaturlaub bei der Familie mit sauberen Sachen wiederkommt :D, doch nicht dieses Mal. Nichtsdestotrotz war die erste Woche wunderschön. Als ich ankam war ich zunächst sehr erstaunt über die Mengen an Schnee die hier lagen. Und trotzdem ist es gar nicht kalt hier: zwischen 0 und -5 Grad. Die Landschaft sieht wirklich traumhaft aus mit all dem Schnee.

Am ersten Abend saß ich gemütlich mit meiner Mitbewohnerin zusammen und wir brachten uns auf den neusten Stand was wir gegenseitig bei dem anderen verpasst haben. Am darauffolgenden Tag ging es direkt wieder fleißig an die Arbeit. Der erste Tag war relativ unaufgeregt und ich war nur froh meine Schützlinge wiederzusehen und gemeinsam mit ihnen Dinge zu unternehmen. Wir gingen im Tiefschnee spazieren und bastelten ein wenig. Nach der Arbeit fuhren meine Mitbewohnerin und eine Freundin von uns noch zu einer Yoga-Meditations-Stunde in der Stadt. Der Lehrer war sehr cool und freute sich scheinbar, dass so internationaler Besuch erschien, denn extra für uns übersetzte er alles auf Englisch und kramte sogar seine letzten Deutschkenntnisse aus der Schulzeit noch aus. Der Raum war winzig klein und bis jetzt ist mir völlig unklar wie so viele Leute in diese kleine Kammer passten. Gemeinsam meditierten wir und versuchten uns an komplizierten Kopfständen und Dehnübungen :P.

Am Donnerstag schauten wir auf Arbeit mit unseren Bewohnern den Film Aschenbrödel, also die russische Version davon. Ein echt wunderschöner Film, aber das sage ich nicht sehr objektiv, da meine Familie und ich „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ wirklich jedes Jahr an Weihnachten schauen 😉. Freitags feierten wir dann die Geburtstage dreier unserer Bewohner nach. Dafür gingen wir früh zeitig einkaufen und besorgten viel leckeres Essen. Meine Mitfreiwillige kaufte ihnen sogar noch kleine Geschenke. Wir machten ihnen Tee, setzten uns allen Partyhüte auf, sangen Lieder und lasen Bücher. Dann verteilten wir die Geschenke. Leider kam es zu einem kleinen Konflikt, denn einem unserer Schützlinge gefiel sein Geschenk nicht so gut und er wollte es gegen das Geschenk eines anderen austauschen. Er war sehr niedergeschlagen nahm dem anderen sogar sein Geschenk regelrecht weg. Es dauerte wirklich lange bis wir ihm klar machen konnten, dass wir ihm das gleiche Geschenk auch kaufen würden und, dass er nicht traurig sein sollte. Uns ist schnell klar geworden, dass wir nächstes Mal allen das gleiche Geschenk kaufen müssen, damit es keinen Streit gibt. Natürlich haben wir daran zunächst nicht gedacht, da sie alle um die 30 Jahre alt sind, teils auch reden können und schon eine gewisse geistige Reife besitzen. Trotzdem war die Niedergeschlagenheit und das Gefühl unfair behandelt worden zu sein für ihn so groß, dass es förmlich aus ihm rausbrach und er sich nicht anders helfen konnte. Unsere kleine Party war letztendlich sehr schön und wir hatten alle viel Spaß gemeinsam. 😀

Am Abend gingen meine Mitbewohnerin, unsere Freundin und ich noch gemeinsam essen. Dabei hatten wir sehr viel Spaß, denn am Tisch neben uns saß ein Typ, wie wir ihn noch nie erlebt haben. Aller 5 Minuten brachte der Kellner ein neues Essen an seinen Tisch und es schien einfach gar nicht mehr aufzuhören. Ich habe noch nie jemanden gesehen, der so viel in einem Restaurant bestellt. Er war dazu noch allein und ziemlich leger gekleidet und es ergab einfach alles keinen Sinn. Wir malten uns die verschiedensten Szenarien aus, vielleicht sei er reich und berühmt und könnte daher auftreten wie er wolle oder es war sein erster Tag nachdem er aus dem Gefängnis entlassen worden war und seine erste Mahlzeit im Freien. Doch nichts erklärte wie sich jemand einfach so allein drei Desserts auf einmal bestellen würde :P. Dieser Typ war einfach sehr seltsam drauf und auch unser Kellner sagte, dass er nicht aus diesem Kunden schlau werden würde. Haha, aber wir drei hatten einen sehr lustigen Abend! Anschließend gingen wir noch in eine Bar, in der eine echt coole Rockabilly Band spielte. Alle gingen richtig zu der Musik ab und es war super Stimmung. Wir entspannten uns dort nach einem langen Arbeitstag gemütlich auf der Couch.

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Samstag machten wir uns einen entspannten Vormittag und nachmittags planten wir Schlitten („Tubing“) zu fahren in einem der vielen Stadtparks. Als meine Mitbewohnerinnen und ich jedoch in dem Park ankamen entdeckten wir, dass dort nur kleine Kinder, die nicht älter waren als 5 oder 6 Jahre, Schlitten fuhren und der sogenannte „Berg“ gefühlte 50cm groß war :D. Es war auf jedenfalls ein ganz schöner Reinfall, nach dem wir uns direkt erst einmal in ein Cafe mit Jazz live Musik setzten und uns entspannten. Danach gingen wir noch in eine echt coole Ausstellung, in der sehr provozierende Kunstwerke zur Schau gestellt wurden.

Leider ging es mir bereits zu diesem Zeitpunkt nicht sonderlich gut und meine eine Mitbewohnerin und ich gingen anschließend gemeinsam nach Hause. Als netten Rat und aus eigener Erfahrung sollte man mit einigen frittierten Sachen, die an Straßenständen verkauft werden doch eher aufpassen :P, mein frittiertes Tschebureki landete anschließend frisch verdaut im Waschbecken bei uns zu Hause (sehr blumig umschrieben, haha, entschuldigt 😉). Naja, jetzt geht’s mir jedenfalls schon besser und morgen geht’s zurück auf Arbeit.

Ich hoffe es geht euch allen super gut und ihr genießt das neue Jahr!

Ich umarme euch fest ❤

С Рождеством и С Новым Годом!

Дорогие мои самые важные люди,

FRÖÖÖÖHLICHE WEIHNACHTEN! ❤

Bald ist es so weit und wir sitzen alle gemütlich unter dem Tannenbaum, oder wie mein liebster Bruder am Strand in Australien 😉.

Auch ich bin schon im Heimatland eingeflogen und bin gerade gemütlich mit dem Flixbus unterwegs ins schöne Dresden. Doch ich dachte mir der letzte Blogeintrag vor Weihnachten und Silvester darf auf keinen Fall fehlen. Meine letzte Woche in Russland war dennoch ziemlich erlebnisreich. Nachdem ich am Samstag erst einmal direkt krank geworden bin und den ganzen Tag nur im Bett lag, ging es dafür am Sonntag schon weiter mit dem Plätzchen backen. Ich fuhr also Samstagnachmittag mit der Marschrutka zu der Wohnung unserer Mitfreiwilligen, die ebenfalls auf unserer Straße liegt. Und jetzt stellt euch mal vor, dass ich ganze 20 Minuten mit dem Bus auf ein und derselben Straße fahre und das ohne Stau. Das sind ungefähr die Dimensionen in Russland. Wenn ich auf dem Leninsky Prospekt (die Straße auf der ich wohne) von Anfang bis Ende zu Fuß laufen würde, bräuchte ich dafür locker mehr als 2h … dieses Land und diese Stadt haben einfach unvorstellbare Ausmaße :0. Nun ging es zunächst ans Einkaufen, wie immer im Ausland eine extreme Herausforderung, da es die Hälfte der Zutaten, die man benötigt nicht gibt, bzw. sie sich enorm von den heimischen unterscheiden. Kokosnuss scheint es in jeglicher Form in Russland nicht zu geben, daher fielen die Kokosmakronen schon einmal flach. Nach einer halben Ewigkeit hatten wir dann endlich alles (so gut es eben ging) zusammen und machten uns ans Backen. Schon kurze Zeit später roch die Küche nach einer richtigen Weihnachtsbäckerei und sah auch dementsprechend verwüstet aus. Wir buken Mürbeteigplätzchen, Vanillekipferl und Haselnussmakronen. Haha, naja also man konnte die Kekse auf jeden Fall essen, aber so wie zu Hause schmeckten sie dann doch nicht … deswegen werde ich direkt heute mal unsere Plätzchenvorräte zu Hause plündern 😉.

Am Montag ging es dann wie immer wieder an die Arbeit. Es kostet ehrlich gesagt sehr viel Überwindung früh überhaupt noch aufzustehen. Es bleibt bis mindestens 9.30 Uhr dunkel und der Tag ist quasi schon um 15.30 Uhr wieder gelaufen. Wir sehen unter der Woche also kaum die Sonne (ich werde mich direkt mal mit Vitamin D Tabletten eindecken)! Außerdem wird einem schon einmal bange, wenn man sich vor Augen führt, dass der Winter in Russland gerade erst angefangen hat und es bereits nette -13 Grad sind. Ich weiß schon jetzt nicht mehr was ich anziehen soll, denn wenn selbst die Skiunterwäsche unter der Hose nicht mehr hilft, was kann man dann überhaupt noch anziehen?! Daher ist es für meine Mitbewohnerin und mich zu einem ständigen Witz geworden uns auszumalen, wie wir wahrscheinlich bald rumlaufen werden …. mit Pelzmantel, Skihosen, Ski Maske und krönender Abschluss russischer Fellmütze 😉 (ich werde euch ein Bild schicken sobald es soweit ist). Diese Woche haben wir uns dann für unsere Schützlinge neue Beschäftigungsmöglichkeiten ausgedacht, denn rausgehen und spazieren bei dem Wetter und bei den Tonnen an Schnee schien keine gute Idee zu sein. Deswegen bastelte ich viel mit ihnen. Dabei fand ich heraus, dass einige von ihnen auch super mit Scheren umgehen können und zusammen schnitten wir wunderschöne Sterne und Schneeflocken aus, um diese anschließend ans Fenster zu hängen und Geschenke daraus zu machen. Einer meiner Schützlinge verstand das Konzept jedoch nicht ganz so gut und zerschnitt wie wild das gesamte Papier. Er liebt es generell Dinge kaputt zu machen und freute sich dabei wie ein Honigkuchenpferd 😊.

Montagabend nach der Arbeit fuhr ich ins Zentrum, um mich dort mit Marina (meiner ehemaligen Austauschschülerin) zu treffen. Wir spazierten zusammen durch die Stadt und aßen zum Abendbrot Sushi. Bestimmt wird das bei uns zur Tradition, denn bereits letztes Mal waren wir genau bei dem gleichen Restaurant, denn dort ist das Sushi einfach soooooo unglaublich lecker.

Am darauffolgenden Abend hatten Tatjana und ich ein ganz besonderes Event vor uns … wir hatten eine E-Mail erhalten, dass eine andere Austauschorganisation am 18. Dezember „Deutsches Weihnachten“ feiert und ob wir nicht gern kommen würden. Was wir leider übersehen hatten war, dass wir als Deutsche eine Präsentation über unsere Traditionen an Weihnachten vorbereiten und noch ein paar Weihnachtslieder raussuchen sollten, um diese mit den anderen Teilnehmern zu singen. Haha, da schauten wir nicht schlecht! Aber insgesamt war der Abend echt schön, es war einfach ein gemütliches Zusammentreffen von Menschen aus Russland und Deutschland mit verschiedenen Workshop Angeboten und Glühwein ;D. Wir hielten dann unsere eher provisorische Präsentation auch tatsächlich noch … aber zum mindestens sind wir ja Experten auf diesem Gebiet.

Am Mittwoch hatten Tatjana und ich frei. Wir entspannten etwas und nachmittags gingen wir ins Kino, um uns den neu erschienen Film „Der Grinch“ anzuschauen. Der Film war sooooo süß (besonders der grüne, fellige Po von dem Grinch), aber der alte Film ist und bleibt der Beste. Und nun war es ja noch nicht so spät nach dem Film und da haben wir dann gleich noch einen geschaut …. Aber psssst den zweiten sogar kostenlos😉. Zunächst war der Plan gefasst und wir würden uns hinten an der Kontrolleurin vorbei in den nächsten Film schleichen, doch war das weit größere Problem jetzt von insgesamt 9 Kinosälen den Richtigen zu finden. Denn in Russland steht leider nicht wie in Deutschland vor jedem Saal eine Werbung, was in diesem für ein Film gezeigt wird. Wir setzten uns daher spontan in irgendeinen Saal und wir hatten tatsächlich Glück!!! Der Film „Aquaman“ dagegen ist auf keinen Fall weiterzuempfehlen, außer vielleicht wenn man ihn gratis im Kino schaut, hihi.

Am Donnerstag und am Freitag fand auf meiner Arbeit die Neujahrsfeier für unsere Bewohner statt. Einige Freiwillige hatten mit ihren Schützlingen kleine Stücke oder Tänze einstudiert. Meine Mitfreiwillige hat sich ebenfalls mit unseren Leuten ein sehr süßes Stück ausgedacht. Snegurotschka, die Enkelin von Djed Maros, dem russischen Äquivalent zum Weihnachtsmann, wurde durch zwei Räuber entführt und musste nun zurückgeholt werden. Ich hätte gern selbst mehr bei der Ausarbeitung teilgenommen, allerdings ist es tatsächlich eine riesen Herausforderung das Stück mit ihnen auszuarbeiten und einzustudieren. Letztendlich war Katja (meine Mitfreiwillige) die treibende Kraft und leitete auch während des Auftritts noch alle an und spielte selbst mit. Am Freitag hatte sie ihren freien Tag und fragte mich, ob ich für sie einspringen könnte, aber ehrlich gesagt traute ich mir das einfach nicht zu, denn es erfordert enorme Sprachkenntnisse und Improvisation, falls während des Stückes etwas anders verläuft als geplant. Die Weihnachtsfeier war ein wunderschönes Ereignis und unsere Schützlinge genossen die Abwechslung sehr. Da wir von dem Heim keinen größeren Saal zur Verfügung gestellt bekamen, fand unsere Feier im Flur des Perspektivy Teils (meine Organisation in Russland) des Heimes statt. Aufgrund des mangelnden Platzes fand das Neujahrsfest daher an zwei Tagen insgesamt vier Mal statt, jeweils vor uns nach dem Mittagessen. Jedes Mal nahmen wir andere unserer Heimbewohner mit nach unten und feierten, sangen und tanzten gemeinsam mit ihnen. Es war soooo schön zu sehen wie ausgelassen alle waren und wie sie mit Freude strahlenden Augen Snegurotschka und Djed Moros begrüßten. Nach der dritten Vorstellung war ich dann jedoch echt fertig, denn jedes Mal tanzten und sangen wir ausgelassen. Ihr denkt vielleicht nicht, dass feiern so anstrengend sein kann, aber man ist tatsächlich die gesamte Zeit damit beschäftigt seine Bewohner zu motivieren mitzumachen und ihnen eine gute Zeit zu bereiten. Generell ist dies ein sehr großer Teil unserer Arbeit, denn der Wunsch von uns Freiwilligen ist es natürlich unseren Schützlingen eine schöne Zeit zu bereiten. Doch kann es manchmal auch ganz schön Kraft raubend sein, sie immer zu animieren verschiedene neue Dinge mit ihnen auszuprobieren und die ganze Zeit über geduldig zu bleiben. Ihr müsst euch vorstellen, dass Menschen mit Behinderungen einfach alles viel, viel langsamer machen. Das ist nicht schlimm, aber man darf dies nie vergessen, muss viel Geduld aufbringen und wird sehen, dass sie viele Dinge genau so gut können, nur eben langsamer. Daher dauert auch das Zähneputzen manchmal bis zu 10 Minuten und klappt vielleicht auch nicht immer so einwandfrei wie man sich wünscht. Die kleinsten Sachen lenken sie ab und ihr könnt euch vorstellen, wenn bis zu 7 Menschen in einem Zimmer leben, gibt es immer jemanden der ins Zimmer kommt, es verlässt oder laute Geräusche auf dem Gang. Was diese Woche besonders amüsant war, war als eine Sanitarka einfach in mein Zimmer platze und hinter ihr zwei Männer, die ein Bett trugen. Ohne zu erklären was sie da taten, schoben sie die restlichen Betten und Schränke im Zimmer hin und her. Auf mein Nachfragen hin wurde mir kurz und knapp erklärt, dass ein neuer Heimbewohner morgen ankommen würde. Es schien vollkommen irrelevant zu sein, dass das Zimmer bereits aus allen Nähten platzte und es offensichtlich war, dass kein Bett mehr reinpasste. Aber NEIN nicht in Russland, da geht noch mehr. Letztendlich wurde das Bett einfach noch zwischen zwei andere Betten gequetscht. So und jetzt lebt eben noch eine weitere Person in dem Zimmer (ich musste fast lachen angesichts dieser irrealen Situation).

Am Freitag verabschiedete ich mich dann noch von meinen Schützlingen. Das Süßeste war, als Ljoscha anfing meine Haare zu streicheln und mich dann fest umarmte …. Es war einfach ein wunderschönes Gefühl und das erste Mal, dass er mir so intensiv seine Gefühle zeigte. Dabei fällt mir gerade ein, dass selbst einer der Heimbewohner, der sonst immer um sich spuckte, jetzt zu mir und anderen Freiwilligen kommt, uns umarmt und auf die Hand küsst. Besonders in diesen Momenten liebe ich meine Arbeit!

Nun aber zur Freizeit, am Donnerstagabend wollten wir eigentlich unseren letzten gemeinsamen WG Abend vor Weihnachten feiern und Eislaufen gehen. Leider war Nastja sehr geschafft von der Arbeit und musste noch viel packen, darum gingen Tatjana, ich und noch eine Freundin aus Polen, dann allein. Der Ort hieß „Neues Holland“ und es war einfach traumhaft dort. Die Eisfläche und das gesamte Areal erleuchteten im Lichterschein und es kamen sehr weihnachtliche Gefühle auf. Wir fuhren ca.1h Schlittschuhe, was auch völlig ausreichte, denn bereits nach 30 Minuten spürte ich bereits nichts mehr von meinen Füßen :D. Die Rückfahrt von dort nach Hause war umso lustiger. Tatjana und ich haben immer die dumme Idee so nach Hause zu fahren, dass wir möglichst viel Geld sparen, was in Russland bedeutet, dass man möglichst wenig umsteigt, denn jedes Mal wenn man den Bus wechselt muss man noch einmal bezahlen. Natürlich sind die Preise ein Witz, denn eine Busfahrt kostet ca. 50 Cent. Dennoch es geht ums Prinzip und man kann sein Geld ja auch für andere Dinge ausgeben. Naja, letztendlich sind wir dann aber immer Ewigkeiten unterwegs und am Ende haben wir in den seltensten Fällen tatsächlich Geld gespart. Es war bereits 21.30 Uhr und wir standen wie die letzten Deppen an irgendeiner Haltestelle ohne zu wissen, ob und wann hier überhaupt die Marschrutka fährt, die wir brauchen. Als sie dann endlich kam, war sie so brechend voll, das könnt ihr euch gar nicht vorstellen. Man stand quasi gegenseitig auf seinen Füßen und jedesmal, wenn der Fahrer überraschend bremste kuschelte man sich erstmal an seine zahlreichen Nachbarn. Für Tatjana und mich war die Situation aus unerfindlichem Grund jedoch suuuper witzig und wir verbrachten die nächsten 40 Minuten nur mit Lachen. Als wir ausstiegen stand uns jedoch noch eine Marschrutkafahrt bevor. Dies stellte sich erneut als großes Abenteuer heraus. Na habt ihr schon einmal bei -13 Grad und einer beißenden Kälte, wie man sie sich nur ungern wünscht, nette 20 Minuten an einer Haltestelle gewartet?! Der Fahrer muss sich gedacht haben wir spinnen, als er angefahren kam und wir beide auf und nieder hüpften und vor Freude fast auf die Straße rannten. Endlich waren wir zu Hause und konnten uns aufwärmen, denn von meinen Zehen hatte ich mich so gut wie verabschiedet. 😉 Da tat es umso besser am Freitagabend nach der Arbeit einfach nur nach Hause zu kommen, sich ins Bett zu kuscheln und einen gaaanz gemütlichen letzten Abend zu haben.

So und heute früh ging es ja dann auch frisch früh um 5 Uhr aus dem Bett raus. Vor lauter Eifer brannte erst einmal die Sicherung meiner Stehlampe durch und ich hatte in der gesamten Wohnung keinen Strom mehr, bis ich herausfand, wie ich den Sicherungskasten bediene. Naja, jetzt haben wir wieder Strom, aber meine Lampe hat es leider nicht überlebt.

Sop, genug erzählt, ich lasse euch jetzt mal in Ruhe, denn bestimmt müsst ihr alle noch fleißig Weihnachtsgeschenke verpacken bzw. noch einkaufen :0 (bisschen spät, falls ihr noch keine gekauft habt … aber habt ja noch zwei ganze Tage😉).

Ich habe euch alle ganz doll lieb und wünsche euch ein wunderschönes, harmonisches und entspanntes Weihnachtsfest! ❤ Seid nett zum Weihnachtsmann 😀

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Mit weihnachtlichen Grüßen von den zwei Weihnachtslamas ❤

 

Eine dicke Umarmung sendet euch

Luise ❤

 

 

 

Рождественское Время

Дорогой Дед Мороз,

nun neigt sich mein Aufenthalt in St. Petersburg während der Vorweihnachtszeit auch schon langsam dem Ende zu, denn am 22. Dezember fliege ich für Weihnachten und Silvester nach Hause.

Darum möchte ich euch jetzt noch erzählen, was in der vergangenen Woche so alles passiert ist. Am Samstag habe ich ganz gemütlich zu Hause entspannt und sogar wieder etwas gekocht. Ich hatte zwar noch ziemlich viel Reis-Curry-Pfanne im Kühlschrank stehen, konnte aber nicht an mich halten und kochte dennoch einen Nudel-Gemüse-Auflauf. Jetzt hatte ich also unglaublich viel Essen im Kühlschrank, dass es für eine ganze Armee für Monate gereicht hätte 😉. Dummerweise bin ich im Kochen noch immer nicht so fortgeschritten, dass ich Mengen gut einschätzen kann und so habe ich meistens danach genug, um davon eine Woche zu jeder Mahlzeit essen zu können. Das klingt an sich ja nicht schlecht, zum mindestens bedeutet das, dass ich für eine ganze Weile nicht kochen muss, aber als ich gestern dann den vor 5 Tagen gekochten Nudelauflauf anschaute, hatte ich das Gefühl die Nudeln kommen mir zu den Ohren heraus. Also fleißig weiter kochen und bald habe ich hoffentlich den Dreh raus.

Am Samstagabend besuchten meine WG-Mitbewohnerinnen und ich dann das Musical „Das Porträt des Dorian Grey“. Es war echt eine super Aufführung, mit genialen Kostümen und Bühnenbild. Gott sei Dank hatte ich mir davor eine kurze Zusammenfassung des Stücks durchgelesen, denn diese rettete mich, da ich ansonsten von dem Russisch nicht allzu viel verstand. Man muss auch sagen, dass gesungenes Russisch bzw. jede andere gesungene Sprache für einen Nicht-Muttersprachler eine extreme Herausforderung sind. Und wie ihr wisst, besuche ich ja ohnehin gern Theaterstücke in denen ich nichts verstehe :P.

Am Sonntag habe ich dann auch noch entspannt und nachmittags kam dann eine Freundin bei uns zu Hause vorbei, da sie sich auch unbedingt mal unsere Wohnung anschauen wollte. Das klingt vielleicht etwas ulkig, aber wir wollen alle immer gern gegenseitig unsere Wohnungen anschauen, damit wir verschiedene Eindrücke bekommen, wie die Wohnungen in Russland generell aussehen. Und tatsächlich leben wir alle in Wohnungen, die vom Standard sehr unterschiedlich ausfallen. Gemeinsam haben wir etwas Tee (denn in Russland lädt man zum Tee und nicht zum Kaffee ein 😊) getrunken und gequatscht.

Am Montagmorgen ging es dann fleißig wieder an die Arbeit. Diese Woche ist mir insgesamt nur ein Tag als besonders einprägsam in Erinnerung geblieben, was die Arbeit anbetraf, und das war für mich Donnerstag. An dieser Stelle ein kleiner Zeitsprung. Am Donnerstag entschloss sich meine Mitbewohnerin ihren methodischen Tag zu nehmen, da ihr ihre Pädagogin gesagt hatte, dass sie arbeiten würde. Tatjana dachte also, dass sie lieber am Freitag arbeiten würde, so dass ihre Schützlinge stets jemanden hätten, der sich um sie kümmert. Es stellte sich jedoch heraus, dass ihre Pädagogin am Donnerstagmorgen doch nicht erschien. Normalerweise helfe ich Tatjana immer nach unserem Mittagessen ihre Mädels (Schützlinge) zu füttern. Ich weiß daher, dass es auf ihrer Station einige Probleme mit den Sanitarkas (Pflegepersonal) gibt, in Bezug auf Grobheit und Schnelligkeit beim Füttern und im generellen Umgang mit den Schützlingen. Ich dachte mir also, dass ich ihre Mädels füttern werde, da ich ja bereits weiß wie der Ablauf ungefähr funktioniert. Doch es stellte sich heraus, dass diese Idee ein wahres Abenteuer werden würde. Als das Essen gebracht wurde, erschien im Zimmer gleichzeitig eine Sanitarka, welche auch sogleich zum Essen griff und eines der Mädels anfangen wollte zu füttern. Ich stand daneben, schaute sie an und erklärte ihr auf eine sehr entspannte und lockere Art, dass ich eine Freiwillige sei und sehr viel Zeit habe und daher die Mädels alle selbstständig füttern könnte. Außerdem hätte ich schon oft hier ausgeholfen beim Füttern und kannte den Ablauf. Die Sanitarka schien das Gesagte gar nicht wahrzunehmen und antwortete nur, dass sie das Mädchen jetzt füttern würde. Es muss an dieser Stelle erwähnt werden, dass das Mädchen noch im Bett saß und nicht wie es sich beim Essen gehört am Tisch bzw. im Kinderwagen. Ich weiß, ich weiß jeder von uns hat auch schon mal im Bett gegessen, aber für die Heimbewohner ist es besonders wichtig, erstens eine, soweit es die Behinderung zulässt, aufrechte Haltung einzunehmen, da diese Position die Verdauung erleichtert und zweitens stets gefördert zu werden, das selbstständige Essen zu erlernen. Denn dies würde auf lange Sicht auch eine Erleichterung für das Personal bedeuten. Leider geht das im russischen System oft unter, da hier vor allem nicht auf lange Sicht gearbeitet wird, sondern es stets nur um Schnelligkeit geht, da die Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen chronisch mit Personal unterbesetzt sind. Das heißt es kommt stets zu dem Konflikt, dass das Heimpersonal keine Zeit und Geduld hat, die Menschen individuell zu fördern, was auch verständlich ist, da am Ende der Mahlzeit das Wichtigste ist, dass alle gefüttert wurden und dass das bei der Anzahl der Bewohner bereits eine Herausforderung ist. Das Gehalt der Sanitarkas beispielsweise ist so minimal, dass sie an der Armutsgrenze leben, bzw. so verarmt sind, dass sie noch im Rentenalter arbeiten müssen oder noch mehrere Nebenjobs haben. Das ist für mich selbst unvorstellbar, da sie erstens einen so wichtigen Job in dem Heim haben mit so viel Verantwortung, der zweitens ein absoluter Knochenjob ist und ich Menschen bewundere, die diese Arbeit, unter diesen Bedingungen, in Russland viele Jahre machen bzw. machen müssen. Daher ist es fast verständlich, dass viele von ihnen ihre Arbeit mit einer Grobheit und Willkür gegenüber den Bewohnern ausführen, die für uns Freiwillige nur erschreckend ist. Uns so ging es mir auch mit der Sanitarka in Tatjanas Zimmer, trotz das ich ihr eigentlich helfen wollte, indem ich ihr Arbeit abnahm, schien es ihren Stolz zu verletzen, sich von einer Freiwilligen etwas sagen zu lassen und ansonsten hätte sie für diese zwei Minuten vielleicht nur untätig im Gang herumgestanden, da alle anderen Pfleger bereits einen Bewohner zum füttern hatten. Als ich ihr sagte, dass ich bereits selbst gesehen hatte, wie das Mädchen am Tisch Hand in Hand mit Tatjana zusammen aß, und was das doch für ein großer Fortschritt sei, erwiderte sie nur es müsse jetzt aber schnell gehen, da sie keine Zeit hätte, und sie werde das Mädchen dennoch füttern. Ich versuchte es noch einige Male, sie davon zu überzeugen, dass ich es machen könnte, doch meine Versuche prallten an ihr ab wie an einer Wand. Gott sei Dank, schaffte ich es jedoch sie zum mindestens davon abzuhalten noch weitere der Mädchen zu füttern. Die restlichen vier Mädels und ich aßen also gemeinsam und ganz in Ruhe, wobei auch während dieser Zeit einiges Unvorhergesehenes geschah. Zunächst fiel mir auf, dass ich ja immer nur einen kleinen Teil der ganzen Prozedur des Fütterns, Windelwechselns und ins Bettlegens mitgemacht hatte und daher keine Ahnung hatte, wo sich bestimmte Sachen in Tatjanas Zimmer befanden. Ich wollte gerade das letzte Mädchen anfangen zu füttern, als ich plötzlich ein lautes Schmatzen hörte. Ich drehte mich überrascht um und sah, wie sich eines der Mädels aus dem Bett herausgebeugt hatte und mit der vollen Hand in den Kartoffelbrei einer anderen gefasst hatte und diesen nun gemütlich in ihrem Bett verteilte und sich mit dem Essen einmal quer durchs Gesicht wischte. Ich traute meinen Augen nicht! Schnell machte ich mich auf die Suche nach Feuchttüchern und machte ihr Bett, ihre Klamotten und ihr Gesicht so gut sauber wie nur möglich. Ich nahm also den Tisch und schob ihn weiter von ihr weg, sodass sie nicht rankäme. Als ich mich erneut rumdrehte, hörte ich wie der Tisch auf einmal herübergezogen wurde und bevor ich es noch verhindern konnte, war ihr gesamtes Bett erneut in Kartoffelbrei eingedeckt. Ich fühlte mich wie in eine schlechten Film 😉. Doch nun hatte ich endgültig aus meinem Fehler gelernt und stellte das restliche Essen auf das Fensterbrett. Nach über einer Stunde, die aus Hin- und Herrennen bestand und mich viel Nerven und Schweiß kostete, lagen alle Mädels soweit im Bett und ich verabschiedete mich. In dem Moment kam jedoch das 6. Mädchen noch rein und auch dieses musste ich ins Bett bringen. Als sie bereits zugedeckt war, schrie sie auf einmal auf Russisch „Nass“. Ich wusste zunächst nicht, ob es einfach eins der wenigen Wörter war, die sie kannte, oder ob es tatsächlich eine Bedeutung hatte. Doch als ich ihre nassen Hosen sah, ging mir schnell auf, dass „Nass“ gleichzusetzten war mit nasser Windel. Da sie ihre Hüfte von selbst nicht heben konnte, war es eine besondere Herausforderung ihre Windeln, sowie Hosen zu wechseln und anschließend auch noch ein neues Bettlaken für sie zu finden. Da sie nicht schlafen wollte, hatte ich dann auch noch das Vergnügen sie aus dem Bett wieder in den Rollstuhl zu heben. Endlich, hatte ich tatsächlich alles so gut es eben ging geschafft und machte mich auf den Weg zu meinen Schützlingen. In diesem Moment verstand ich zum ersten Mal wirklich, was Tatjana für eine harte Aufgabe in ihrem Zimmer zu bewältigen hatte und wie viele Tricks und Techniken sie sich einfallen lassen hatte und wie vertraut sie mit der gesamten Prozedur bereits war.

Guddi, genug zur Arbeit gesagt 😊. Am Montagabend bin ich dann noch in den Kinofilm „Grindelwald 2“ auf Russisch gegangen und ich habe mich echt wahnsinnig gefreut, wie viel ich von dem Film verstanden habe. Dienstagabend ging es dann gleich noch einmal ins Kino, diesmal mit Tatjana und Judyta (einer Freiwilligen aus Polen) zusammen und wir sahen den Film „Der Nussknacker“. Dies ist eine Neuverfilmung und auch wenn die Originalgeschichte mir noch sehr anders in Erinnerung geblieben ist, so war der Film dennoch wirklich süß gemacht.

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Mittwochs hatten wir quasi frei, denn es fand die Weihnachtsfeier von Perspektivy (meiner Organisation in Russland) statt. Sie begann 15 Uhr und fand in einem großen Saal statt, mit anschließendem Buffett. Doch zunächst folgten viele Präsentationen über die verschiedenen Programme von Perspektivy und über die Organisation selbst. Alles war auf Russisch, also die perfekte Möglichkeit zu üben, wobei es für die nicht Russischsprachigen Freiwilligen wesentlich langweiliger war, da es keinerlei Übersetzung gab. Doch selbst für das Buffett hatte sich die Teilnahme gelohnt 😉, denn es gab soooo viele leckere Piroggen, die mit allem nur Erdenklichen gefüllt waren. Selbst am nächsten Tag auf Arbeit konnten wir noch die Reste essen. Am Donnerstag nach der Arbeit hatten wir noch unsere letzte Unterrichtstunde Russisch und das ist echt wahnsinnig schade, denn unsere Russischlehrerin war super und hat uns wirklich sehr viel beigebracht.

So und jetzt zu Freitag. Am Freitag hatte ich meinen methodischen Tag und da ich noch keine Pläne hatte, beschloss ich Tatjanas Beispiel zu folgen und auch mal Bouldern in Russland auszuprobieren. Sie war bereits zweimal in dieser Halle und ich war neugierig es auch einmal zu versuchen. Die Halle war in einer sehr ulkigen Gegend gelegen, eine Art Industriegelände, in dem alle Häuser aussahen wie verlassene Ruinen und ich dankbar war, dass ich mich doch entschiedene hatte vormittags und nicht abends hergekommen zu sein.

Der Eintritt für das Bouldern plus Kletterschuhe kostete auch nur 300 Rubel (ca. 4 Euro) und die Halle war überraschend gut ausgestattet. Leider waren die Kletterrouten selbst nicht so gut beschriftet und ohne jemanden der einem erklärte, was die verschiedenen Farben und Symbole bedeuteten, war es schwer zu wissen, wohin man als nächstes greifen sollte. Ich verbrachte dort ca. eine Stunde, doch bereits nach dieser kurzen Zeit spürte ich meine Arme kaum noch und war vollkommen fertig. Klettern ist echt ein extremer Sport und beansprucht alle Muskeln, drei viertel davon habe ich wahrscheinlich noch nie trainiert gehabt 😉. Dementsprechend krassen Muskelkater hatte ich gestern. Zu meinem „Glück“ bin ich am Freitagabend auch noch krank geworden und lag am Samstag wirklich total flach im Bett. Ich konnte auch gar nicht mehr unterscheiden, was der eigentliche Muskelkater war und was Gliederschmerzen vom Krank sein.

Wir hatten am Freitagabend auch noch ein Gruppentreffen der ausländischen Freiwilligen mit einer Psychologin und tauschten uns während dieser 2 Stunden über unsere Arbeit aus und besprachen gemeinsame Probleme. Anschließend hatte ich mir noch in den Kopf gesetzt den Platz vor der Ermitage zu besuchen, weil da angeblich bereits ein großer, dekorierter Weihnachtsbaum stehen sollte. Und egal ob danach krank oder nicht, aber der Weg dahin hat sich gelohnt. Hier ein paar Eindrücke:

So und jetzt war es aber auch schon genug von meiner Seite. Ich habe ja schon wieder viel zu viel geschrieben 😉. Aber hoffentlich war es auch ein bisschen interessant für euch. Ich habe euch alle lieb und genießt heute schön den 3. Advent <3.

 

Dicke Umarmung

Eure Luise ❤

Моё Возвpащение

Дорогая семя и дорогие друзья,

Nuuuun melde ich mich endlich mal wieder als frisch zurück gekehrte Russin. Gott sei Dank geht es mir nach einem Monat Aufenthalt in Deutschland wieder besser, dank der Fürsorge der süßesten Familie und meines Freundes, die sich mit Herz und Seele um mich gekümmert und mich bekocht haben. Ich bin also am 25. Oktober wieder nach Russland geflogen, um quasi genau am gleichen Tag wieder das Land zu verlassen. 😉

Es war nämlich dringend notwendig für uns neue Visa zu beantragen und dafür ging es dann auch erstmal direkt von St. Petersburg mit dem Nachtbus nach Tallinn (Estland). Wir kamen also Montag früh um 5 Uhr in Tallinn an, nur um uns dann gemütlich bei Schneesturm zum Hostel durchzukämpfen. Als wir es endlich gefunden hatten, blieben uns noch genau zwei Stunden Schlaf bis wir wieder aufstehen mussten, um zur Visastelle zu laufen. Natürlich hatten wir alle ein Zimmer zusammen und es war das purste Vergnügen zu hören, was 10 Leute alles so nachts von sich geben. Ich wachte auf, als meine Mitbewohnerin panisch schrie, dass es bereits 8.30 Uhr sei, also quasi schon 10 Minuten später, als wir hätten loslaufen müssen. Ich sprang auf, weil ich im Bett unter ihr lag, eilte zum Lichtschalter, um schnell alle aufzuwecken. Doch als alle anderen rumnörgelten es sei noch nicht so spät, schaute ich zum ersten Mal auf mein Handy und stellte fest, dass es die Uhr in Tallinn eine Stunde zurückgestellt wird und sich das Handy meiner Mitbewohnerin nicht automatisch umgestellt hatte. Ich schlurfte also zurück in mein Bett und schlief sofort wieder ein. Als es dann wirklich an der Zeit war, liefen wir alle gemeinsam zum Visazentrum. Es erstaunte uns immer wieder im Laufe der Woche, wie verdammt jeder Weg in Tallinn doch war, angesichts dessen, dass der kürzeste Weg, um in St. Petersburg irgendwo hinzugelangen mindestens eine Stunde lang war. Im Visazentrum angekommen, stellten wir unseren Antrag auf ein drei Monatsvisum für Russland. Was war es für eine Überraschung, als sie uns sagten, Deutsche und Österreicher bekämen hier kein Visum für Russland, noch nicht mal ein Touristenvisa für einen Monat. Man erhielte nur ein Visa, wenn man seinen Wohnort in Estland hätte, was ja einfach überhaupt keinen Sinn ergibt :D. Vollkommen überfordert von der Situation telefonierten wir mit unserer Koordinatorin in Russland. Diese sagte, wir sollten zunächst ins Hostel zurückgehen und sie würde uns Bescheid sagen wie es weiterginge. Es wurde letztendlich beschlossen, dass wir am nächsten Tag die Fähre nach Helsinki (Finnland) nehmen würden, um dort zu versuchen, die Visa zu beantragen. Zu diesem Zeitpunkt stand bereits fest, dass wir nicht so wie geplant am Donnerstag abreisen würden, sondern frühestens, wenn alles klappen sollte, am Freitag. Zu meinem Leid, hatte ich so schlau wie ich war, genau bei dieser Reise entschieden, das erste Mal so richtig schlau zu packen und nur das Minimalste mitzunehmen. Ich muss noch so fertig vom Flug gewesen sein, dass ich weder Schlafzeug mitnahm, noch Handschuhe und Mütze, in dem Glauben in Estland könne es ja gar nicht kälter sein als in Russland. Tjaaaa, weit gefehlt! Bereits als wir ankamen, schneite es wie verrückt und die Temperaturen fielen während unseres Aufenthaltes bis unter Minus 10 Grad. Naja, wir standen also am Dienstag früh ebenfalls ohne viel Schlaf, um 4 Uhr auf und nahmen die Fähre um 6. Das wir eine halbe Stunde eher an der Fähre sein sollten, hatten wir großzügig ignoriert, was darin resultierte, dass wir wie die Irren zum Hafen rannten, nur um gerade noch so durch die Kontrolle gelassen zu werden, obwohl das Boarding bereits fünf Minuten zuvor geendet hatte. Nach zwei Stunden kamen wir in Helsinki an. Uns schlug so eine Eiseskälte entgegen, dass ich dachte ich schaffe es nicht mehr lebend aus Finnland. Im Visazentrum klappte alles soweit, außer dass wir unsere Expressvisa nicht bis Freitag bekommen würden, sondern erst Montag, was bedeutet, statt vier geplanten Tagen würden wir acht Tage in Estland bleiben. In diesem Moment gratulierte ich mir erneut, dass ich so minimalistisch gepackt hatte. Nichtsdestotrotz hatten wir noch einige Stunden in Helsinki. Ich hatte bereits auf dem Schiff beschlossen spontan mal meiner Mathe LK Lehrerin zu schreiben, die erst diesen Sommer nach Finnland „ausgewandert“ war und ihr aus Spaß zu schreiben, dass ich gerade in Helsinki sei. Sie schrieb mir bereits nach zwei Minuten zurück und meinte, sie arbeite in Helsinki und, dass es schön wäre, wenn wir uns träfen. Es war richtig cool, sie auf einmal in einem anderen Land zu treffen und wir tranken gemeinsam Kaffee und sie erzählte mir von ihrem neuen Leben und ihrer Arbeit an der deutschen Schule in Helsinki. Lustig, wie man sich auf einmal an einem völlig anderen Ort wiedersieht. Anschließend bin ich durch die Stadt zu den anderen Freiwilligen gelaufen, die bereits in einem Cafe saßen, denn es war unmöglich bei dieser stechenden Kälte, die einem in alle Glieder fuhr, länger als 10 Minuten draußen zu sein, besonders wenn man weder Handschuhe, noch eine Mütze besaß :P. Um 16 Uhr fuhren wir auf der Fähre wieder zurück (die die Mädels und ich direkt fast wieder verpassten!). Abends machten wir uns dann einen entspannten Kochabend im Hostel, wo ich neue Rezepte lernte, da ich beschlossen habe jetzt mehr zu kochen (große Ziele 😊). Die nächsten Tage verbrachten wir in Tallinn und fuhren einmal in eine Stadt in Südestland namens Tartu. Tallinn ist eine wunderschöne Stadt, relativ überschaulich und super gemütlich. Es gibt eine atemberaubend schöne Altstadt und sogar der Weihnachtsmarkt hatte bereits offen, der mich mit seinem Charme direkt an den deutschen Weihnachtsmarkt erinnerte. Ich war bereits vor vier oder fünf Jahren schon einmal in Tallinn, allerdings nur einen Tag und leider konnte ich mich auch nicht mehr an viel erinnern. Nur die Stadtmauer, die Tallins historische Innenstadt schützend umgab, weckte in mir Erinnerungen. Es war außerdem super schön, dass wir eine andere Freiwillige kannten, die gerade ihren Freiwilligendienst in Tallinn macht. Mit ihr trafen wir uns ein paar Mal und erkundeten gemeinsam die Stadt. Sie konnte uns sehr viel erzählen über die Geschichte und Besonderheiten, was mich grübeln lassen hat, ob ich annähernd so viel über St. Petersburg erzählen könnte, aber ist ja auch ein wiiinziges Stückchen größer 😉.

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Wir haben auch eine sehr große Ausstellung für Moderne Kunst besucht, die super spannend war. Es gab viele estnische Werke und mir hat der Malstil sehr zugesagt. Das Museum war riesig und wir haben bestimmt an die 3 bis 4 Stunden darin verbracht.

Während unseres Aufenthalts haben wir auch alle gemeinsam in der Wohnung der Freiwilligen in Estland gekocht und waren zusammen mit ihr und einem älteren deutschen Ehepaar, welches sie in der deutschen Gemeinde kennengelernt hatte, in einer urigen Kneipe Elchsuppe essen und auf einem Adventskonzert. Sie hat uns auch gezeigt wo sie arbeitet und es war sehr interessant zu sehen, wie sich ihre Arbeit von unserer unterscheidet. Sie arbeitet in einem Tagesbetreuungszentrum für Kinder, die aus sozial schweren Verhältnissen kommen und denen nachmittags nach der Schule dort eine Beschäftigung angeboten wird. Ihre Arbeit klang auch super spannend und für sie ist es eine besonders schwere Herausforderung, dass sie quasi Russisch und Estnisch lernen muss, denn auf der Arbeit wird fast nur Russisch gesprochen, obwohl sie in Estland lebt.

An einem Tag haben Tatjana (meine Mitbewohnerin), Anne (Mitfreiwillige) und ich dann noch einen Tagesausflug nach Tartu gemacht. ES ist die zweitgrößte Stadt in Estland, was sehr süß ist, weil für uns sogar Tallinn schon winzig klein und Tartu dementsprechend noch kleiner war. Wir sind einfach bisschen durch die Stadt geschlendert und sind aller paar Minuten in ein Geschäft rein gegangen, um uns aufzuwärmen. Wir waren dann auch noch in dem Spielzeugmuseum von Tartu. Es war einfach super süß und man hat sich direkt in seine Kinderzeit zurückgesetzt gefühlt. Wir haben dann auch ganz eifrig mit den Spielzeugen gespielt und uns Kinderfilme angeschaut😉.

Am Montag früh um 4 Uhr ging es dann wieder auf die Fähre nach Helsinki und ab ins Visazentrum. Gott sei Dank, klappte wenigstens einmal alles und wir erhielten unsere Visa tatsächlich. Weil wir all unsere Sachen mit uns schleppten, beschlossen wir einfach in ein gemütliches Cafe zu gehen und da in Helsinki ja alles verdammt teuer ist haben wir uns auch gar nicht schlecht gefühlt, dass wir dort 3 Stunden mit unserem 5 Euro Kakao rumsaßen und uns aufwärmten. Um 14 Uhr fuhr unser Reisebus ab und die nächsten 10 Stunden saßen wir im Bus auf dem Weg nach St. Petersburg. Wenn man dann jedes Mal an jeder Landesgrenze aussteigen muss, seine Papiere vorzeigen muss und das Gepäck kontrolliert wird, was mit unter mehr als 2 Stunden dauern kann, dann wird mir immer wieder klar, wie gesegnet wir in Europa sind und wie sehr wir das schätzen und bewahren sollten.

Wieder angekommen in St. Petersburg, diesmal Gott sei Dank länger als ein halber Tag fuhren wir mit der Metro nach Hause. Wir freuten uns schon super, denn ursprünglich sollten wir 23.30 Uhr ankommen und stattdessen waren wir bereits 21.30 Uhr da. Doch als wir in der Straßenbahn fuhren zeigte die digitale Uhr dort bereits 23 Uhr an. Erst dann verstanden wir, dass wir schon wieder vergessen hatten unsere Uhren eine Stunde vorzustellen und dass die Uhr im Bus noch auf die finnische Zeit gestellt war. Also hieß es dann doch gleich jalla jalla ab ins Bett und schlafen, denn am nächsten Tag würden wir wieder arbeiten gehen müssen.

Am Dienstagmorgen fielen wir dann völlig übermüdet aus unseren Betten und machten uns auf den Weg zur Arbeit. Für mich war diese erste Woche besonders anstrengend, weil ich fast einen Monat so gut wie kein russisch gesprochen hatte und erst einmal wieder reinkommen musste. Dazu kam noch, dass ich gleich am ersten Tag allein war, ohne meine Mitfreiwillige und meine Pädagogin …. eine besondere Herausforderung. Aber bereits als ich ankam fand ich im Schrank unserer Umkleide eine selbstgemachte Karte von einem meiner Schützlinge und Mitfreiwilligen, die sie für mich gemacht hatten. Ich freute mich so sehr darüber! Als ich hoch auf die Station ging, war ich mir zunächst unsicher, ob sich noch alle an mich erinnern konnten, aber bereits als ich die Tür öffnete kamen sie mir entgegen, umarmten mich, nahmen meine Hand und riefen meinen Namen. Es war ein wunderschönes, unbeschreibliches Gefühl und genau in diesen Momenten weiß ich, warum ich diese Arbeit machen möchte, obwohl sie sehr schwer und herausfordernd ist. Zunächst begannen wir wieder mit der Morgenroutine und putzen allen die Zähne und wuschen die Hände. Anschließend malten wir zusammen, lasen ein russisches Buch, gingen spazieren und tranken Tee. Bei dem Spaziergang jedoch, vergaß ich meine Turnschuhe gegen meine Winterstiefel auszutauschen. Ein fataler Fehler, denn auf unserem Hof war der Schnee in der Nacht gefroren und es war sooooo rutschig, wie ich es noch nie erlebt habe. Es war besser als Eislaufen mit Schlittschuhen. An sich lustig, doch wenn man die Verantwortung hat einen Rollstuhl sicher zu schieben, erweist es sich als wesentlich schwerer. Jede nur kleinste Stufe oder Anstieg stellte eine unglaubliche Anstrengung meinerseits da, da ich praktisch null Halt und Gleichgewicht hatte auf dem Eis. Am Ende hat mich das Rollstuhlschieben selbst davor bewahrt, komplett hinzufallen und wahrscheinlich nicht wieder aufstehen zu können 😉.

Am nächsten Tag war meine Mitfreiwillige wieder da und wir konnten uns die Aufgaben gemeinsam aufteilen. Zunächst stand erst einmal die Banja vor uns, der Waschtag, an dem quasi alle hintereinanderweg wie am Fließband gewaschen werden, neue Bettbezüge bekommen und neue Anziehsachen. Dieser Tag ist immer besonders lustig, weil alles drunter und drüber geht und man manchmal gar nicht weiß, wo man zuerst helfen soll. Aber am Ende funktioniert es dann doch irgendwie und alle sind halbwegs ordentlich angezogen, bis auf einige vertauschte Schuhe oder die Hose, die auch gern mal anders herum anprobiert wird :P.

An diesem Tag habe ich danach auch mit einem meiner Schützlinge gemalt. Es war sehr schön, denn wir es war fast niemand im Zimmer außer uns und wir hatten endlich mal Ruhe. Mit diesem Schützling hatte ich bis jetzt noch nicht so viel gemacht und darum war es umso schöner Zeit mit ihm zu verbringen. Haha, ich weiß jetzt zum mindestens, dass er gern Sachen kaputt macht, nachdem er mindestens 3 Stifte zerbrochen hatte. Auch hat er gerade sehr Schnupfen und anstatt ein Taschentuch zu nehmen, was sich auch so als schwer erweist, da er nicht reden kann, hat er seine Finger dann einfach bis Anschlag in die Nase geschoben und alles rausgeholt, um es anschließend auf seinem Papier zu verteilen. Das nenne ich mal moderne Kunst. Ich weiß das klingt bestimmt für die meisten von euch eklig, aber mit der Zeit gewöhnt man sich vollkommen an so was. Man muss dabei auch immer bisschen reflektieren, dass wenn uns nie jemand das benutzen eines Taschentuches beigebracht hätte bzw. wir einfach nicht die Möglichkeit haben uns zu artikulieren, um danach zu fragen, ich auch nicht wüsste wie ich mir ein Taschentuch besorge, geschweige denn es benutze. Wir haben dann jedenfalls etwas zusammen Nase geputzt 😊. Er ist einfach super süß und mir geht immer das Herz auf wenn er lacht. Beim Malen hat er dann zum Spaß oder vielleicht auch unbewusst das Papier angeleckt und mir anschließend mit seinen Fingern versucht die Haare zu streicheln. Da ich davon nicht so begeistert war habe ich meine Hand schützend gehoben. Letztendlich ist daraus eine Art Spiel geworden, bei dem wir unsere Hände gegenseitig voreinander hin und her bewegen und dabei versuchen die des anderen zu berühren, während dieser weg zuckt. Es hat ihm anscheinend Spaß gemacht, da er die ganze Zeit lachte. Gleichzeitig stand einer meiner Schützlinge, der gerade geschlafen hatte, aus seinem Bett aus, da er auf Toilette musste. Aber statt tatsächlich auf die Toilette zu laufen, war ihm das anscheinend zu weit und er benutzte stattdessen die „Ente“ (Flasche zum Urinieren), die eigentlich nur für die Rollstuhlfahrer gedacht ist. Nachdem man diese Ente benutzt wissen alle Schützlinge geht man zur Toilette oder jemand anderes macht das für sie und schüttet dort den Inhalt in die Toilette. Aber nein, dieser Schützling steuert geradewegs aufs Waschbecken zu und obwohl ich „Neeeeein!“ rief und zu ihm rannte war es schon zu spät, und der schüttete den gesamten Urin ins Waschbecken. Das ist natürlich sehr hygienisch angesichts dessen, dass sich dort ansonsten alle die Hände, das Gesicht waschen und die Zähne putzen. Aber naja, daran gewöhnt man sich wohl auch mit der Zeit und eigentlich war es in dem Moment schon fast lustig und zu komisch um wahr zu sein.

Am Donnerstag hatten wir unseren methodischen Tag, an welchem wir dieses Mal allerdings ein Treffen hatten mit unserer Direktorin und unseren Pädagogen. Wir saßen alle gemütlich in einem Cafe, es gab suuuuper leckere Piroggen und wir tauschten uns etwas aus wie es bei uns auf Arbeit so lief. Danach gingen Tatjana und ich noch Weihnachtsgeschenke shoppen und die wunderschöne Weihnachtsdekoration im Stadtzentrum bestaunen, sowie die bereits zugefrorene Newa.

Freitags war dann unser letzter Arbeitstag der Woche. Ich freute mich bereits, denn nachmittags würde die Disko stattfinden, die sonst eigentlich immer am Donnerstag ist, an dem wir ja nicht arbeiten. Doch es sollte alles etwas anders kommen. Vormittags sind meine Mitfreiwillige, ich und drei unserer Schützlinge in den AFK Raum gegangen, ein Raum in dem man mit ihnen Spiele spielen und sie individuell fördern kann. Wir kochten für alle Tee und fingen an zu spielen. Doch auf einmal entdeckten wir eine Flüssigkeit, die sich immer weiter auf dem Boden des Zimmers ausbreitete. Ich schaute Katja an und fragte sie, ob jemand vielleicht den Tee verschüttet hatte. Doch leider stellte sich schnell heraus, dass es definitiv kein Tee war, was da auf dem Boden floss. Ljoscha, der im Sitzsack saß hatte sich in eingepullert und das nicht zu wenig. Nun begann erst die Herausforderung. Denn obwohl er selbstständig aus dem Rollstuhl klettern kann ist es etwas ganz anderes ihn wieder freiwillig dazu zu bewegen sich in den Rollstuhl zu setzen. Ich denke er stand auch noch unter Schock, dass er uriniert hatte und das seine gesamte Hose plus Socken, sowie der Sitzsack und der Boden komplett nass waren. Wir brauchten also mindestens 30 Minuten, bis er wieder im Rollstuhl saß und auch nur weil Katja und ich ihn letzten Endes gemeinsam in den Rollstuhl hoben. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits auf meiner gesamten Arbeitskleidung Urin. Es tat mir auch so leid für Ljoscha, weil er sich so gefreut hatte zu spielen und ich konnte ihn sehr gut verstehen, dass er jetzt nicht zurück auf die Station wollte. Katja brachte ihn dennoch zum sich Umziehen nach Oben, während ich mich an die Arbeit machte, das Zimmer zu säubern. Es war doppelt blöd, weil meine zwei Schützlinge, mit denen ich gekommen war, währenddessen noch im Zimmer saßen und ich sie nicht beschäftigen konnte. Wenigstens gab es anschließend erst einmal Mittagessen. Nach dem Mittagessen helfe ich im Moment immer bei Tatjana im Zimmer aus und füttere ihre Mädels mit. Anschließend wollten wir bereits zur Disko gehen. Ich wollte nur noch Ljoscha holen, denn wir hatten ihm versprochen wir würden nachmittags noch etwas mit ihm machen. Wir malten daher noch etwas im Zimmer und es war sehr niedlich, wie er anfing sein eben erst gemaltes Bild auseinanderzureißen und die einzelnen Teile vom Tisch zu pusten. Das Kaputtmachen machte ihm wie immer mehr Spaß als das Herstellen 😉. Gegen 14.30 Uhr machten wir uns auf den Weg zur Disko, doch wie wir herausfanden sollte die Disko erst eine halbe Stunde später anfangen. Daher beschloss ich stattdessen mit ihm noch einmal in das Spielzimmer zu gehen. Tatsächlich spielten wir dort eine dreiviertel Stunde sehr schön und es machte ihm unglaublich viel Spaß Puppen und Spielzeug in die Hängematte zu stopfen, nur um sie anschließend alle einzeln wieder heraus zu schütteln. Und jetzt kommts Leute, als ich sah, dass der Sitzsack auf einmal wieder bisschen feucht aussah, dachte ich ich spinne völlig. Ljoscha hatte sich erneut eingepullert. Also fing die ganze Prozedur wieder von vorn an, doch glücklicherweise wusste er diesmal schon wie es alles ablaufen würde und er machte gut mit. Man man man zweimal an einem Tag das war einfach direkt zu viel für meine Nerven :D. Aber es war auch schön zu sehen, wie er direkt daraus lernte und dann auch selbstständiger mitmachte beim Sachen wechseln. Es dauert eben seine Zeit bis man ihre Körpersprache versteht bzw. weiß, wann man am besten mit ihnen auf Toilette geht, denn die meisten unserer Bewohner können nicht sprechen.

Letztendlich fanden wir heraus, dass er beim Zähneputzen früh unglaublich viel Wasser getrunken hatte. Manche Tricks, wie man am besten mit ihnen umgeht, lernt man erst nach vielen Malen des Probierens …. aber genau das macht die Arbeit so interessant!

Um zu entspannen bin ich deswegen gestern erst einmal auf eine Abschiedsfeier eines alten Freiwilligen gegangen, der seinen Dienst verlängert hat. Das hat mich definitiv gut abgelenkt. Und heute gehen meine WG Mitbewohnerinnen und ich noch in das Musical „Dorian Grey“.

Oh ja also ich weiß, ihr denkt euch bestimmt schon, Oh mein Gott wie viel schreibt sie noch, aber nur noch ein kleines Bisschen …..versprochen 😉. Ich habe jetzt tatsächlich angefangen zu kochen, was ja völlig gegen meine Natur ist, aber da das meiner Gesundheit momentan eh besser tut, als nur Brot, Wraps und Müsli zu essen, haha, habe ich die letzte Woche bereits fleißig gekocht und ich muss sagen, ich lasse schon gar nicht mehr soooo viel anbrennen. Also ich schicke euch immer gleich noch einige Kochbilder mit ;D.

Okidoki, jetzt ist es aber genug!

Ich habe euch alle lieb und hoffe ihr habt eine wunderschöne Vorweihnachtszeit mit viel Glühwein, Weihnachtsmusik und Plätzchen!!!

 

Bis bald

Eure Luise ❤

Сумаcшедший Меcяц

Милые мои читатели,

hallihallo ihr Lieben! Ich würde euch jetzt fragen, wie es euch so im Heimatland geht, aber da ich momentan gerade selber hier bin, kann ich mir mein eigenes Bild machen. Ich musste leider relativ kurzfristig nach Deutschland reisen für ca. einen Monat, da ich gerade etwas Probleme mit meiner Gesundheit habe. Es ist nichts weiter schlimmes, aber es ist einfach besser in Deutschland behandelt zu werden und daher habe ich mich entschlossen herzukommen.

Trotzdem möchte ich euch natürlich noch von meiner vorerst, für einen Monat, letzten Woche in St. Petersburg berichten. Letzte Woche (und das klingt unglaublich schräg für mich, dass es tatsächlich erst letzte Woche war, denn es fühlt sich schon länger her an) haben wir zunächst am Samstag Abend mit einigen Mädels gemeinsam Tschebureki gebacken. Wie eine Vielzahl anderer russischen Nationalgerichte sind auch Tschebureki im Prinzip Teigtaschen mit Fleisch drinnen, nur dass sie eine andere Form haben als Pelmeni und diverses anderes und frittiert oder gebacken statt gekocht werden. Im Gegensatz zu meiner eigenständigen Kochaktion mit den Pelmeni, welche mich so manchen Nerv gekostet hat, ging es diesesmal soooo viel schneller. Wir waren zu 5. und nachdem wir gemeinsam eingekauft hatten, dauerte es tatsächlich nur ca. 30 Minuten bis alles fertig war (richtig gute Teamarbeit ;)). Leider, konnte ich jedoch selber nicht kosten, da ich gerade einige Probleme mit meinem Magen habe und saß also daneben und schaute den anderen beim Genießen zu, während ich meine ebenfalls unglaublich „leckeren“ gestampften Kartoffeln mit Naturjogurth aß :P. Haha, aber nicht so schlimm, bald koche ich es einfach nochmal und esse alles alleine :D. Und es war mir im Prinzip nur wichtig mal auszuprobieren, wie so etwas gemacht wird.

Anschließend sind meine Mitbewohnerin, eine ukrainische Mitfreiwillige und ich am Abend noch in eine Premierenvorstellung von „The Great Gatsby“ gegangen. Wir hatten spontan früh noch Karten gekauft gehabt und es hat sich so was von gelohnt. Das Theater war wirklich gigantisch und sah von innen wunderschön aus. Wir hatten natürlich die billigsten Karten gekauft (haha, sind ja nur arme Freiwillige) und saßen für 6 Euro gemütlich auf dem 3. Rang (Balkon). Die Bühne war jedoch riesig und auch wenn man die Gesichter der Akteure selbst nicht genau ausmachen konnte, so war die gesamte Inszenierung doch einzigartig. Demnächst leihen wir uns vielleicht noch Ferngläser aus ;). Das gesamte Musical ging 3h, aber es war sehr unterhaltsam und ich bin froh, dass ich gegangen bin. Denn eigentlich ging es mir an dem Tag selbst nicht so gut, denn ich befand mich gerade in der Hochphase meiner Bindehautentzündung und meine Augenlider waren hübsch angeschwollen und ich war extrem lichtempfindlich. Die perfekten Vorraussetzungen also um in das Theater zu gehen ;). Ich sah dementsprechend hübsch aus :P.

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„The Great Gatsby“

Am Sonntag gingen meine Mitbewohneri und ich dann gemeinsam ins Kino und sahen uns den russischen Film „Kislota“ (auf Deutsch: Säure) an. Es war ein ziemlich alternativer Film, der perfekt zu dem Kino passte, in dem er gezeigt wurde. Das Kino namens „Dom Kino“ ist sehr alt und in St. Petersburg bekannt, denn es ist in einer Art Wohnhaus integriert, mit altem Treppenhaus und der Kinosaal selbst ist riesig und echt schön. Der Film ist sehr künstlerisch gemacht und war echt interessant.

Danach spazierten wir noch ein bisschen in der Stadt umher, besuchten ein hübsches, kostenloses Kunstmuseum und gingen in die Auferstehungskirche, die unglaublich berühmt ist für St. Petersburg und eine der Hauptsehenswürdigkeiten. Wir hatten sie schon oft von außen gesehen, waren aber selbst noch nie drinnen und dachten es wäre nun endlich mal Zeit. Eigentlich kostet der Eintritt 250 Rubel pro Person (ca. 4 Euro). Ich versuchte daraufhin meinen (abgelaufenen ;)) Schülerausweis zu zeigen, aber scheinbar funktionieren deutsche Schülerausweise in Russland meistens nicht. Tatjana versuchte als nächstes die Verkäuferin davon zu überzeugen, dass wir tatsächlich Freiwillige seien, um so eine Ermäßigung zu erkämpfen. Auch das klappte nicht. Haha, und als letztes schaute Tatjana die Kassiererin an und fragte sie breit grinsend, ob sie ihr denn glauben würde, dass sie unter 18 Jahre alt sei. Da lachte die Frau und verkaufte uns beiden je ein Ticket für 50 Rubel 😀 (75 Cent). Man muss nur frech genug sein, lernt man daraus. In der Kirche wurde unsere Glückssträhne dann gleich fortgesetzt und wir schlossen uns einer kostenlosen Führung an. Ich verstand wirklich absolut gar nichts von dem Gesagten (schweres Fachrussisch überschreitet meine Kompetenzen :P), aber glücklicherweise hatte ich ja Tatjana, die mir dan immer etwas übersetzte. Es machte mich jedoch nicht so viel aus, denn die Kirche selbst ist wunderschön und man ist eh die ganze Zeit damit beschäftigt alle Details einzusaugen.

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Am Montag ging es dann wieder fleißig an die Arbeit. In dieser Woche schauten ich zwei Filme mit meinen Schützlingen, denn es war eine „Marvel“ Woche in unserer Art Kinosaal im Heim und für Actionfilme kann man sehr viel von ihnen begeistern. Am Mittwoch war dann bereits mein letzter Tag auf Arbeit für den nächsten Monat. Früh stand ersteinmal Banja an, so nennt sich der Waschtag für die Heimbewohner. Mit der Renovierug, die gerade auf unserer Station stattfindet ist das echt ein heilloses Durcheinander und es dauerte den ganzen Vormittag bis alle gewaschen, an- und ausgezogen waren und wir gemeinsam mit ihnen Zähne geputzt hatten. Nach dem Mittagessen hatten wir dann endlich Zeit für Freizeitaktivitäten. Zunächst ginngen meine Mitfreiwillige und ich mit 5 unserer Schützlinge spazieren. Da es jetzt bereits ziemlich kalt ist, ist es wichtig allen warme Sachen anzuziehen. Allerdings steht man immer wieder vor dem Problem, dass in dem allgemeinen Kleiderschrank fast alle Jacken kaputt sind, bzw. zu groß oder zu klein. Außerdem gibt es nicht genügend Schals und Handschuhe und irgendwann ist maneinfach nur noch genervt und frustriert vom ständigen anprobieren. Von den Schuhen gar nicht zu sprechen, die außnahmslos alle kaputt sind und es teils auch nur noch einen Schuh von einem Schuhpaar gibt. Man versucht also so schnell wie möglich etwas passendes zu finden, was meistens seine Zeit und Geduld dauert, denn auch für unsere Bewohner ist es natürlich anstrengend so lange zu warten bis man jeden angezogen hat oder zum mindestens dabei geholfen hat. Naja am Ende hatten wir es dann mehr Recht als Schlecht geschafft und konnten nun endlich raus gehen. Ich war zunächst allein mit drei Rollstuhlfahrern und bekam Unterstützung beim Schieben von einem weiteren meiner Schützlinge. Wir drehten eine Runde über das Gelände und trafen uns dann mit meiner Mitfreiwilligen Katja auf dem Spielplatz. Dort schaukelten sie ein wenig und wir hörten Musik, sangen und tanzten etwas, da sich das bei unseren Schützlingen und uns jetzt schon als Tradition so eingespielt hat. Was an diesem Tag ganz besonders schön war, war das Katja und ich zwei unserer Schützlinge aus dem Rollstuhl in die Schaukel hoben und sie zum ersten Mal seit vielen Jahren schaukeln konnten, wenn sie es überhaupt schon einmal gemacht haben. Sie hatten so viel Spaß und grinsten und lachten breit wie Honigkuchenpferde. Nach unserem Spaziergang fuhren wir mit ihnen in die Küche und tranken dort noch etwas Tee gemeinsam. Ich hatte für alle Kekse und Waffeln mitgebracht und erklärte ihnen, dass ich aus gesundheitlichen Gründen für ca. 1 Monat in Deutschland sein würde. Am Anfang schienen sie es noch nicht so verstanden zu haben, denn sie fragten mich noch ein paarmal, ob ich denn am Montag wiederkommen würde. Aber es war wirklich gemütlich und es fiel mir sehr schwer mich für diesen Monat von ihnen zu verabschieden. Zurück auf der Station sagte ich auch noch zu meinen anderen Schützlingen Tschüss. Ich freue mich schon sehr sie bald wiederzusehen. Meine Mitfreiwillige Katja ist im Moment ganz allein, denn auch meine Pädagogin ist noch im Urlaub und es wird keine einfache Zeit für sie, die ganze Arbeit allein zu stemmen. Aber ich bin mir sicher, sie wird es dennoch super meistern. Ich bin unglaublich froh mit ihr zusammen zu arbeiten, denn sie ist so einfühlsam im Umgang mit unseren Schützlingen und scheint immer die richtigen Worte zu finden, es verblüfft mich immer wieder wie viel Geduld und Empathie sie hat.

In dieser Woche haben Tatjana und ich dann noch viel gemeinsam unternommen, weil ich das Gefühl hatte trotzdem noch einmal alles mitnehmen zu wollen, bevor ich für den Monat gehe. Daher waren meine WG und ich am Dienstag Abend nach der Arbeit noch im Theater. Wir erwischten noch 10 Minuten vor Vorstellungsbeginn Karten für 200 Rubel, obwohl fast das komplette Stück bereits ausverkauft war. Gott sei Dank haben wir nur 3 Euro bezahlt, denn ich habe so gut wie das ganze Stück geschlafen. Es ging 3,5h und auch wenn ich in der ersten Hälfte wirklich verzweifelt versuchte irgendetwas zu verstehen, so gab ich dennoch irgendwann auf. Auch Tatjana verstand absolut nichts. Primär lag das daran, dass die Schauspieler eine Art Altrussisch redeten. Da ich selbst Probleme habe modernes Russisch zu verstehen, stieß ich jetzt gänzlich an meine Grenze. Außerdem saßen wir wirklich weit weg und es war mehr wie Fernsehen schauen, als Theater, da die Bühne so klein war. 😀 Haha, naja aber letztendlich hat man eben nicht immer Glück mit dem Theaterstück.

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Am Mittwoch Abend nach der Arbeit machten Tatjana und ich uns auf den Weg, um bei Deichmann für sie nach billigen Winterschuhen zu schauen. Denn nachdem sie erfahren hatte, dass es auch in St. Petersburg einen Deichmann gibt, war sie direkt Feuer und Flamme. Fälschlicherweise entschieden wir uns dorthin zu laufen. Das bedeutete nach einem bereits anstrengenden Arbeitstag noch einmal eine Stunde zu dem Einkaufszentrum zu laufen. Hinzu kam noch die „wunderschöne“ Gegend durch die wir liefen. Es war schon dunkel, während wie durch irgendwelche Hinterhöfe schlichen, an Schnellstraßen liefen und hinter verlassen Fabrikhallen entlang schlenderten. Genau wie man sich so einen hübschen Abendspaziergang vorstellt. 😉 Aber auf jeden Fall interessant auch einmal diese Seite von St. Petersburg zu sehen.

Nach etwas mehr als einer Stunde kamen wir dann schließlich in dem Einkaufszentrum an. Dort gingen wir direkt zu Deichmann. Es war eine sehr europäische Mall, mit vielen uns bekannten Geschäften. Es gab sogar einen Eislaufring dort und ich schaute den kleinen Kiddies bisschen beim Pirouette drehen zu. Nach dem Shoppen gingen wir dann noch 22 Uhr ins KIno, welches sich direkt in dem Einkaufszentrum befand. Der Eintrittspreis waren sage und schreibe nur 2 Euro. Und die Taxifahrt nach Hause auch nochmal 1 Euro für jeden :D. Sehr kostensparender Tag (noch nicht mal Geld für Bus ausgegeben, hihi).

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Das Einkaufszentrum, namens „Sommer“

Am Donnerstag war dann unser methodischer Tag. Wie immer hatten wir Sprachunterricht Abends. Doch davor spazierten wir wieder bei perfektem Wetter durch die Innenstadt auf dem Weg in ein Museum. Es ist wirklich wunderschön bei gutem Wetter durch die Gassen, entlang der Neva und ihrer verzweigten Seitarme zu spazieren und sich einfach von dem Vibe der Stadt tragen zu lassen.

Danach gingen wir in das „Museum“. Doch es stellte sich raus, dass es weit von einem Museum im klassischen Sinne entfernt war. Wir kamen uns eher so vor wie auf einer Kirmes. Es gab Grußelkabinette, Spiegel- und Glaslabyrinthe und vieles mehr. Tatjana und ich gingen in die bereits genannten Räume, sowie auch in eine Art „Escape Room“. Es war sehr lustig und der beste Teil war zu sehen, wie schnell sich tatjana grußelt und völlig in Panik ausbricht. Ich hatte jedenfalls sehr viel Spaß, besonders im Grußelkabinett, in dem uns am Ende tatsächlich ein Schauspieler hinterher rannte und es schon fast an eine Verfolgungsjagd grenzte. 😀 Das war schon unsere Vorübung für Halloween.

Nun, aber genug erzählt von der Woche ;). Am Freitag bin ich dann bereits nach Deutschland geflogen, wo ich mit viel Liebe von Mohamad und meinen Eltern empfangen wurde <3. Jetzt kuriere ich mich hier bisschen aus und ihr hört wieder von mir, wenn ich wieder in Russland bin.

Hier noch einige Bilder von meinem hübschen Arbeitsweg.

 

Bis bald meine Lieben ❤

Eure Luise